Weniger Täuschung, bessere Deals

Weniger Täuschung, bessere Deals

von

Stefan Kühn

Verhandlungsexperte Stefan Kühn während der strategischen Verhandlungsbegleitung

Unternehmen Täuschung in Verhandlungen ist meist kein Plan – sie entsteht spontan, unter Druck, aus Unsicherheit. Interessanterweise gibt die Mehrheit der Manager zu, in Verhandlungen gelogen zu haben – und praktisch alle glauben, selbst belogen worden zu sein.

Wenn ich mit Klienten am Verhandlungstisch sitze, erleben wir genau das: nicht kalkulierte Manipulation, sondern Halbwahrheiten, die in Stressmomenten entstehen. Entscheidend ist deshalb nicht das Erkennen von Lügen, sondern das aktive Gestalten einer Umgebung, die ehrliches Verhalten begünstigt. Wer Transparenz strukturell fördert, Kooperation stärkt und die richtigen Anreize setzt, macht Täuschung schlicht unattraktiv – und legt damit den Grundstein für Ergebnisse, die wirklich tragen.

Die folgenden 12 Hebel zeigen, wie sich durch Vorbereitung, Struktur, Kommunikation und Anreizsetzung eine Verhandlungssituation schaffen lässt, in der Transparenz steigt, Täuschung unattraktiver wird und tragfähige Ergebnisse wahrscheinlicher werden.


12 Strategien für ethisches Verhandeln

1. Vorbereitung

Beispiel: Sie kennen Marktpreise und frühere Projekte => unrealistische Angebote fallen sofort auf.

2. Persönlich verhandeln

Beispiel: Im direkten Gespräch zögert Ihr Gegenüber sichtbar bei einer Aussage => Hinweis auf Unsicherheit.

3. Zeit geben

Beispiel: Statt sofortiger Antwort erlauben Sie Rückmeldung am nächsten Tag => weniger «geratene» Antworten.

4. Ehrlichkeit vereinbaren

Beispiel: Zu Beginn: «Lassen Sie uns offen mit kritischen Punkten umgehen» => erhöht Selbstkontrolle beider Seiten.

5. Kooperation fördern

Beispiel: Gemeinsame Zieldefinition: «Was ist für beide ein gutes Ergebnis?» => weniger taktisches Täuschen.

6. Persönlicher machen

Beispiel: Kurzes Kennenlernen vor Start => Hemmschwelle für unehrliches Verhalten steigt.

7. Vertreter prüfen

Beispiel: Aussagen eines Beraters zusätzlich beim Auftraggeber bestätigen lassen.

8. Lücken erkennen

Beispiel: Statt «Können Sie liefern?» fragen: «Wie genau stellen Sie die Lieferung sicher?» => Details erzwingen.

9. Indirekte Fragen

Beispiel: Nicht «Was kostet es?», sondern «Wie läuft Ihr Produktionsprozess?» => Kosten indirekt ableitbar.

10. Testfrage

Beispiel: Sie kennen eine frühere Verzögerung und fragen gezielt danach => prüfen Ehrlichkeit.

11. Zukunft absichern

Beispiel: Bonus bei früher Lieferung, Pönale bei Verspätung => Wahrheit wird wirtschaftlich relevant.

12. Positives Framing

  • Beispiel: «Chance auf Bonus bei Zielerreichung» statt «Strafe bei Nichterfüllung»  => fördert ehrliche Einschätzung.

Lassen Sie sich in diesen Fällen beraten

Wenn Sie mehr als zwei der folgenden Punkte immer wieder in Ihren wichtigen Verhandlungen wahrnehmen, lohnt es sich, mit uns konkrete Strategien zu entwickeln – damit Sie künftig zu besseren Deals kommen.

  • Ihr Gegenüber macht Zusagen, die später still und leise nicht eingehalten werden.

  • Sie spüren, dass Zahlen und Fakten selektiv präsentiert werden – aber können es nicht greifen.

  • Angebote wirken unrealistisch gut und entpuppen sich erst nach Vertragsschluss als lückenhaft.

  • Verhandlungspartner weichen konkreten Fragen aus und bleiben bewusst vage.

  • Sie verlassen Verhandlungen mit einem unguten Gefühl, das Sie nicht genau benennen können.

  • Entscheidungsträger sind plötzlich «nicht zuständig», sobald es kritisch wird.

  • Zeitdruck wird künstlich erzeugt, um schnelle Zugeständnisse zu erzwingen.

  • Vereinbartes ändert sich beim nächsten Gespräch ohne Erklärung.

  • Ihr Verhandlungspartner kennt offensichtlich Ihre Alternativen – ohne dass Sie diese geteilt haben.

  • Nachverhandlungen nach Vertragsunterzeichnung gehören zur Routine.